FILMSTUDIO präsentiert:

Playing Shakespeare

Einige von Euch werden sich sicher noch erinnern: Vor drei Jahren hatte das FILMSTUDIO schon einmal eine Shakespeare-Reihe im Programm. Da stellt sich natürlich die Frage: »Warum schon wieder Shakespeare?«

Warum Shakespeare?

Wie so oft gibt es auch hier drei gute Gründe:

  1. Damals sind wir auf den Geschmack gekommen.

    Bei der Beschäftigung mit der damaligen Reihe wurden wir für das Thema sensibilisiert. Seitdem haben wir viele interessante Einzelheiten über William Shakespeare erfahren - und wir haben neue, faszinierende Shakespeare-Verfilmungen entdeckt.

  2. Der Lehrstuhl für Anglistik veranstaltet dieses Semester eine Vortragsreihe über Shakespeare.

    Sie haben uns gefragt, ob wir nicht ein paar Filme dazu zeigen wollen. Das machen wir natürlich gerne. Zum einen bekommen die Anglistikstudenten so die Möglichkeit, diese Filme so zu sehen, wie sie gedacht sind - auf der großen Leinwand - zum anderen stehen die Vorträge auch für unsere Zuschauer offen. So könnt Ihr bei Interesse das Thema vertiefen.

  3. Shakespeare ist und bleibt der beliebteste Autor von Drehbuchvorlagen.

    In Hollywood und anderswo sind ständig aufregende Shakespeare-Verfilmungen in Produktion. Alleine die Moviedatabase kennt über 320 seiner Filme. Darin sind die unzähligen Filme »frei nach Shakespeare«, bei denen seine Stücke nur das allseits bekannte Grundgerüst des Drehbuchs lieferten, noch nicht enthalten.

Natürlich sind seit unserer letzten Shakespeare-Reihe wieder viele interessante Filme entstanden. Einige davon wollen wir Euch dieses Semester zeigen. Bleibt die Frage:

Warum Shakespeare?

Warum ist dieser Mann, der seit über 380 Jahren tot ist, immer noch so beliebt und aktuell? Dieser Frage wollen wir mit unserer Reihe nachgehen. Deshalb zeigen wir zwei work-in-progress Filme, bei denen das »Faszinosum Shakespeare« besonders spürbar ist.

Natürlich bieten seine Stücke Sex & Crime vom Feinsten - kurz alles, was sich ein Produzent für ein Drehbuch wünschen kann. Einige seiner Stücke wie »Hamlet« und »Romeo und Julia« sind zu regelrechten Pop-Ikonen geworden, die sich im allgemeinen Bewußtsein festgesetzt haben. Fast jeder kennt die grobe Handlung oder einige Szenen aus diesen Stücken, selbst wer sie noch nie gesehen oder gelesen hat. Aber das ist es nicht alleine, was Shakespeare ausmacht.

In den vergangen Jahren hat es eine Vielzahl gänzlich unterschiedlicher Shakespeare-Verfilmungen gegeben - von sehr auf Werktreue bedachten bis zu ultramodernen Inszenierungen. Vielbeachtet wurde die Version von »Romeo und Julia« (wir haben sie am 28.8. gezeigt), in der Baz Luhrmann die Tragödie in einen Bandenkrieg mit und für die Kids von heute verwandelt. Das Erstaunlichste: Shakespeares poetischer Kraft tut diese Umsetzung keinen Abbruch. Selbst die Trashspezialisten von Troma hat der Barde in »Tromeo and Juliet« zu ungeahnten künstlerischen Höhenflügen angespornt. Bleibt als zweite Frage:

Wie soll Shakespeare heute aussehen?

Wie soll man Shakespeare heute inszenieren? Auch dieser Frage wollen wir nachgehen. Deshalb haben wir die work-in-progress Filme durch unterschiedliche Verfilmungen des jeweiligen Stückes ergänzt. So ergibt sich eine gute Vergleichsmöglichkeit zwischen den einzelnen Stilen. Unsere Reihe konzentriert sich auf drei Stücke: »Richard III, »Hamlet« und »Much Ado About Nothing«. Zu letzterem gibt es keinen work-in-progress Film. Deshalb bieten wir Euch in Zusammenarbeit mit den Anglisten ein Live-Äquivalent.

Die Filme:

Richard III.

Zum Auftakt zeigen wir Euch am 21.10. Richard Loncraines moderne Adaption von »Richard III Loncraine hat die Handlung in die 30er Jahre unseres Jahrhunderts verlegt, weil - wie er sagt - diese Epoche in unserem kollektiven Bewußtsein soweit von uns entfernt ist, wie es die Zeit Richards III. für Shakespeare und seine Zeitgenossen war. Gleichzeitig unterstützen die faschistischen Insignien in der Ausstattung eine interessante Interpretation von Richards Machtstreben.

Die Umsetzung ist sehr »filmisch«. Loncraine gelingt es komplexe Szenen in eindringliche Bilder umzusetzen, wie sie im Theater so nicht denkbar sind. Der Ausruf »Ein Königreich für ein Pferd« bekommt so eine besondere Eindringlichkeit. Die Kamera ist extrem beweglich und rückt den exzellenten Darstellern auf den Leib - dies fällt insbesondere im Vergleich zu »Looking for Richard« auf. Insgesamt ist die Inszenierung sehr schnell und actionreich. So gelingt es das Stück auf normale Spielfilmlänge zu kürzen und trotzdem Shakespeares Text gerecht zu werden.

Looking for Richard

Dieser Film hat den Wunsch zu dieser Reihe geweckt. Al Pacino inszeniert mit ein paar Freunden und Bekannten Richard III. Wir erleben, wie sich die Schauspieler mit dem Stück auseinandersetzen und sich den Figuren nähern, sie sich aneignen. Gleichzeitig will Pacino wissen, was Richard III. und Shakespeare im Allgemeinen uns Menschen von heute zusagen haben. Dazu interviewt er bekannte Shakespeare-Adepten aber auch ganz normale Leute auf New Yorker Straßen. Je weiter die Proben fortschreiten, desto stärker zieht der Film die Zuschauer in seinen Bann und weckt in ihnen die Lust auf Shakespeare und noch mehr Shakespeare.
Wir zeigen »Al Pacino's Looking for Richard« am 11. November.

Gerne hätten wir Euch auch Sir Laurence Olivier's klassische Verfilmung »Richard III« aus dem Jahre 1955 gezeigt. Die Rechte sind - ungewöhnlich für so einen alten Film - sogar noch erhältlich. Doch leider ist Qualität der einzig verfügbaren Kopie »5«. (Die Kopienqualität wird in Schulnoten ausgedrückt - bei »6« hat die Kopie die Müllverbrennung schon hinter sich.;-) ) Wir hätten Euch also nur ein paar zerkratzte und verdreckte Fragmente zeigen können und alle paar Minuten mit einem Filmriß rechnen müssen. Darauf haben wir dann doch lieber verzichtet.

Hamlet

Kenneth Branagh ist der wohl profilierteste Shakespeare-Regisseur unserer Zeit. Er ist als gelernter Shakespeare-Schauspieler mit seiner Truppe durch die Lande gezogen, bevor ihm seine Verfilmung von »Henry V« den internationalen Durchbruch brachte. Inzwischen zum Hollywoodstar aufgestiegen, hat er nun einen monumentalen »Hamlet« vorgelegt, den wir am 25. November zeigen. Der Film tritt mit dem Anspruch an, die Hamlet-Verfilmung für die nächsten Jahrzehnte zu sein.

Besonderen Wert hat Branagh auf Werktreue gelegt - Shakespeares Text wurde erstmals praktisch ungekürzt übernommen. Gleichzeitig garantieren herausragende Darsteller bis in die kleinste Nebenrolle und das aufwendige Aufnahmeverfahren für ungetrübten Filmgenuß. »Hamlet« ist der erste Spielfilm seit 5 Jahren, der für brilliante Bilder ausschließlich auf 65 mm gedreht wurde. Bei der Ausstattung ist Branagh dem Ansatz Loncraines gefolgt. Sie orientiert sich am 19. Jahrhundert. Allerdings hat dies - anders als bei »Richard III« - keinen Einfluß auf die Handlung.

In the Bleak Midwinter

Während der Vorbereitung seines großen Hamlet-Projektes hat Branagh in seiner britischen Heimat diesen kleinen, intimen Film gedreht. Wir zeigen »Ein Winternachtstraum« passend zum Film in der Wochen vor Weihnachten.

Fortsetzung folgt...

Hamlet liikemaailmassa

Much Ado About Nothing


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